Mit viel Kraft und Humor, mit Beethoven und Dohnanyi ins neue Jahr 2021!

Foto: Theresa Pewal

Im Jahr 2020 waren mehrere Konzerte bei namhaften Festivals in Österreich mit dem Septett von Beethoven im Programm geplant – aufgrund der aktuellen Gesundheitssituation kam keines davon zustande, Da wir die momentane kulturelle Situation aber mindestens genau so erschreckend finden wie die gesundheitliche, möchten wir die verabsäumten Konzerte in Form einer CD herausbringen. Es sollte ein kleines Zeichen gesetzt werden, dass sich der menschliche Geist nicht unterkriegen lässt – weder durch wirtschaftliche Schwierigkeiten, noch durch die Schlagzeilen, die uns aus den Medien anspringen.

Es wurde viel über Kultur gesprochen, wenig dafür getan und unglaublich viel im letzten Jahr verhindert – doch eines bleibt klar: eine gesunde Gesellschaft braucht Kultur, ansonsten rutschen wir in eine Art geistiger Anarchie ab, die keiner von uns will.

Abgesehen von den verheerenden Folgen für die Kulturschaffenden wird die soziale und geistige Verarmung des vergangenen Jahres noch ihren Tribut fordern. Die Menschen, die weder gesundheitlich noch wirtschaftlich von der Krise betroffen waren, (Gott sei Dank gibt es auch solche) waren sehr wohl persönlich in ihrem Inneren getroffen: sowohl durch soziale Isolierung und Mangel an geistigem Austausch, als auch durch fehlende künstlerische Impulse, Denkanstöße, ja auch die „Reibung im Austausch miteinander“ (Zitat aus einem persönlichen Brief an mich) hat gefehlt. Die Folgen davon zu beschreiben überlasse ich den Spezialisten, ich kann mir nur denken, dass die psychologische Betreuung in den kommenden Jahren viel stärker beansprucht werden wird als bis jetzt. Warum? Zum einen Teil, weil die Menschheit einen extremen Schock erlitten hat und das sichere Gefühl im westlichen Alltagsleben verschwunden ist, zum anderen, weil vielen Menschen die direkte Ansprache durch Musik gefehlt hat. Die Musik als eine Sprache, die das Unaussprechliche vermittelt, tröstet, Verständnis zeigt, wo Worte fehlen… Das alles war nicht möglich.

Ich schreibe noch Briefe, bekomme auch welche. Das Papier ist geduldiger als jedes andere Medium unserer Zeit, das Papier sammelt unsere Gedanken anders, die Sätze werden länger, schwieriger, tiefer und ehrlicher. Ich habe einige Briefe bekommen, von Freunden, Musikern und Musikliebhabern, mit vielen persönlichen Eindrücken, Erlebnissen und Gefühlsbeschreibungen – aus allen war eines herauszulesen: die Stille ist erdrückend, nicht beruhigend. Alle hofften auf mehr Musik – die Hoffnung wurde aber mit den schon bestellten Konzert- und Theaterkarten wieder an die Konzertveranstalter zurückgeschickt…

Uns allen geht schon vieles auf die Nerven, sogar Dinge, die wir wirklich mögen. Kein Wunder, es fehlt uns ja die Energie und Sinnhaftigkeit im Alltagsleben und auch der Vorrat an Humor geht uns langsam aus… Es sind aber beide in vollem Ausmaß in der Musik vorhanden, also nehmen wir als Musiker unseren ganzen Mut zusammen und produzieren ein wirtschaftliches gewagtes, sinnvolles, schönes Projekt, aus dem man viel Kraft, Lebensenergie, Freunde und auch eine gesunde Portion Humor schöpfen kann: unsere neue CD mit dem Septett von L.v.Beethoven und der Serenade op.10. von E.v.Dohnanyi!

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