Knall oder Schuss

Mönchhof, Dorfmuseum
Photo: Bojidara Kouzmanova – Vladar

Ich weiss, ich falle gleich mit der Tür ins Haus, aber wir kennen uns schon ein bisschen, also nehme ich mir das Recht dies zu tun. Also, Knall oder Schuss? Jeder der heutzutage etwas mit Kultur zu tun hat, hat zumindest das Eine oder das Andere. Ich glaube ich habe alle beide zugleich. Erstens bin ich selber Musikerin und zweitens seit einiger Zeit gehöre ich auch zu den Veranstaltern. Nicht umsonst, werden diese Rollen getrennt, meistens von verschiedenen Personen erfüllt. Wieso überhaupt „Knall oder Schuss“? Es geht um die Differenzierung verschiedener Gesetze und Verordnungen in dem es entweder so oder so ist und um viele Stunden, wo Spezialisten und Beteiligten darüber diskutieren wie das Gesetz zu interpretieren sei. Alles gut, nur im Kulturleben (ich spreche nicht vom Kulturbetrieb) schaut die Sache ein bisschen anders aus. Ohne grosses persönliches Engagement und jemand, der die ganze Maschinerie antreibt, geht es nicht. Da helfen keine gezielte Verordnungen oder komplizierte Gesetze, sondern jemand, dem es wichtig ist etwas aufzubauen, etwas weiter zu geben, etwas was Wertvoll ist, zu den Menschen zu bringen.

Unser letztes Konzert vor knappen 4 Wochen, war ausverkauft, wir mussten kurzfristig vom Weingut abweichen (wegen Verordnungen) und auf den Platz vor dem Gemeindehaus gehen, Bühne, Licht, Sessel, alles umstellen, alle Leute informieren, eine Sitzordnung machen, damit jeder sein zugewiesener Sitzplatz bekommt und da ich auch noch die Geigerin bin, habe ich am Abend gespielt.

Ich wechsle meine Stimmungen nicht oft, oder zumindest zeige ich es nicht, aber an dem Tag war ich einfach nur ruhig. Nicht weil ich so cool bin, sondern weil es nichts gebracht hätte, wenn ich die Nerven hingeschmissen hätte, und Schluss endlich ging es um das Konzert, das stattfinden sollte und nicht um mich.

Warum denn eigentlich?! Wer braucht noch ein Konzert, noch eine Konzertreihe, noch eine Veranstaltung? Im Prinzip kann ja jeder in einen der vielen grossen Konzertsäle in Österreich fahren, je nach Bedürfnis, ein Mal im Leben oder vielleicht 3 Mal in der Woche und sich grosse Kunst anhören. Wozu der ganze Aufwand, eine kleine Veranstaltungsreihe auf die Beine zu stellen?

Kultur, Kunst, Musik, sind wie Diamanten. Wer braucht sie schon?! Man kann sie nicht essen, im Prinzip sind sie für nichts gut… Es gibt sie in vielen verschiedenen Grössen, Farben, Schliffe usw. Manche sehr teuer, andere leistbarer… Sie sind aber alle sehr ungewöhnlich, wertvoll und vor allem langlebig. Man kann sie verlieren, aber eigentlich kann man sie nur sehr schwer zerstören. Meistens vererbt man sie. Es sind wertvolle Gegenstände, die uns daran erinnern, dass jemand dem wir wichtig waren, uns als so etwas Wertvolles angesehen hat. Ein Symbol dafür, wie wertvoll wir sind.

Die Kultur, davon besonders die Musik, ist wie Diamanten für die Seele. Schöne, wertvolle, funkelnde kleine Sterne, die uns erinnern, dass jemand speziell für jeden von uns ein grossartiges Stück komponiert, gespielt hat, damit wir uns daran erinnern wie wertvoll und wichtig unsere Seele ist.

Deshalb noch eine Konzertreihe, deshalb die ganze Mühe und Aufwand, weil ich diese verschiedene Diamanten, die mein Alltag begleiten, einfach, weil ich Geigerin bin und die Musik mein Leben ist, mit allen Menschen teilen möchte und sie ihnen näher bringen möchte, damit sie leichteren Zugriff darauf haben.

Damit wir diese Diamanten unseren Kindern vererben können, damit sie in einer sehr technisierten und technokratischen Welt, den Weg zur ihrer Seele besser sehen und besser finden können. Damit sie wissen, wie wertvoll sie ist und sich weiterhin die Mühe machen, das Leben mit ihrer Seele zu empfinden und nicht nur mit dem Kopf zu organisieren.

Das was ich jetzt vage versucht habe in Worte zu fassen, gelingt der Musik ohne Worte und ohne Mühe. Oft sogar ohne die Beteiligung des Zuhörers, doch sie wirkt.

Ein Mädchen, das im Publikum gesessen ist, hat ihrer Mutter gesagt: Mama, das Klappern von den Störchen ist auch Musik, aber die auf der Bühne ist mit viel mehr Liebe gemacht“.

Wenn wir in der einen Stunde auf der Bühne jemanden ein Teelöffel Liebe geben konnten – haben wir mehr erfüllt als ich es mir erträumt hätte.

Am Ende des Abends, hatten wir alle zumindest ein Diamanten mehr im Herzen.

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